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Professorenmord
Der neue Krimi...
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Die Rheinpfalz, Samstag 2. Januar 2010
Von Sigfrid Gauch


Überall in der Pfalz und in Rhein­hessen liegen sie herum, die Lei­chen. Regionalkrimis haben weiter­hin Konjunktur, man liebt es, sich und die Seinen in vertrauter Land­schaft mit gewohnten Mundart­klängen wiederzufinden, auch wenn es dabei nicht ohne Blessuren abgeht. Regionale Tatorte fin­den sich in Winzerhöfen und in Klöstern, in Rathäusern und auf Kartoffeläckern. Jetzt hat es auch die ehrwürdige Alma mater erwischt.

Der erste Professorenmord ist ge­schehen, einen C-4-Professor für Neuere Geschichte der Mainzer Uni­versität hat es regelrecht getroffen, genauer gesagt: durchsiebt. Und was daran das Besondere ist: Die 1966 in Kaiserslautern geborene und im nordpfälzischen Göllheim aufge­wachsene Autorin Friederike Harig ist Insiderin. Sie ist Akademische Rä­tin am Internationalen Studienkolleg der Universität, sie kennt sich im Ge­triebe - manche sagen: im Biotop - der Johannes-Gutenberg-Universität aus. Im Krimi ist auch von einem Hai­fischbecken die Rede, nicht schlecht.
Piranhas in Lehre und Forschung. Eine Kommissarin ermittelt, allein­erziehend, nicht so recht zufrieden mit sich und ihrem Job. Friederike Harig schafft eine Protagonistin, die sich und ihre Ermittlungen selbstiro­nisch kommentiert, die sich als Che­fin ständig hinterfragt und von ihren untergebenen Kollegen, mit denen sie sich duzt, nicht immer wirklich respektiert wird. Dafür rächen sich die Kommissarin und die Erzählerin gemeinsam, zum Beispiel am engsten Mitarbeiter: „Eigentlich war er ein netter Kerl. Vielleicht etwas farb­los, aber das waren nette Kerle meis­tens." Dass dieser farblos nette Kerl dann mit einer der Mordverdächti­gen eine Beziehung eingeht, bringt eine keineswegs farblose Wendung in die Story. In ihr geht es übrigens viel um Be­ziehungen, vor allem, was man von einem Unicampus schließlich auch erwarten kann, um das menschliche Biotop rings um den ermordeten Inhaber des Lehrstuhls: mehrere Ehe­frauen, mehrere Geliebte, darunter auch bildhübsche Studentinnen und Assistentinnen, wie das Leben halt so spielt, bis es sich ausgespielt hat.
  Und alles mit einer sprachlichen Leichtigkeit und Geradlinigkeit, die an klassische Kriminalromane erin­nert, die sich auf die Lösung eines Fal­les konzentrieren - auch wenn es nicht bei dem einen Mord bleibt in Friederike Harigs „Professoren­mord". Auch die zweite Leiche stammt aus dem akademischen Um­feld. Und wenn die mutige Kommis­sarin auf eigene Faust auf einem Win­zerhof ermittelt, geht das gründlich schief: „von ihrer Angst beflügelt, ras­te sie geradeaus in die Weinberge, hoffend, dass sie der um sich ballern­de Alte in dem schützenden Reben­lauf nicht erkennen konnte. Sie musste die Rebzeile wechseln. Nahm da­für Geschwindigkeit raus und rollte sich unter den Reben durch" - um einen Tag später auf Krücken im Kommissariat aufzutauchen.
  Dass weitergehende Recherchen im Unimilieu Seltsames zutage för­dern, vor allem, wenn man Assisten­ten verhört, erhofft sich der Leser ge­radezu, doch die Sauftour mit dem Doktorvater an Heiligabend, der sich der Assistent nicht entziehen kann, endet immerhin so unerwartet wie ungewöhnlich: Gegen sieben Uhr morgens schiebt der Doktorand sei­nen volltrunkenen Professor über die Treppe zu dessen Wohnung, de­ren Tür schon von selbst aufgeht. Im Türrahmen die Ehefrau, außer sich vor Wut, und im Flüchten kann der Assistent noch erkennen, wie sein Professor ein halb aufgetautes Brat­hähnchen aus der Manteltasche zieht: er war kurz vor Beginn des Hei­ligabends zum Hähnchenkauf ge­schickt worden. Zum letzten Mal, denn die Scheidung lässt nicht auf sich warten.
  Aber das alles sind Randereignisse, vergnügliche allerdings, die sich zu einem akademischen Genrebild er­gänzen, das man genüsslich betrach­ten kann. Dass der Krimi zu einem furiosen Ende führt, sollte man zwi­schenzeitlich erwarten. Dass sich die­ses Ende so aber nur im weinfreudi­gen Linksrheinischen abspielen kann, das ist das Mindeste, was hier verraten werden darf.


Rhein Main Presse, Donnerstag 10. Dezember 2009
Von Eva Fauth

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/rheinhessen/8019493.htm

KRIMI Friederike Harig schreibt "Professorenmord"

Sie kennt die Szene, soviel ist schnell klar. So wie Friederike Harig ihre Kommissarin durch die verstaubten Flure des Philosophicums schickt und wie sie die Begegnungen mit all den "trockenen Brötchen" des historischen Seminars nebst ihres lebenslustigen Chefs schildert - so schreibt jemand, der Leben und Leute an der Uni kennt. Die Autorin hat in Mainz studiert und lehrt am Internationalen Studienkolleg. "Professorenmord" ist ihr erstes Buch. Ein bisschen Campus-Krimi, insgesamt mehr ein Rheinhessen-Krimi - und ein neuer Band in der Reihe der Regionalliteratur.

Der Titel verrät es: Bei der Leiche, die im Selztal bei Stadecken-Elsheim gefunden wird, handelt es sich um einen Professor: Dr. Martin Klinkenbiehl, Inhaber des Lehrstuhls für Neuere Geschichte an der Uni Mainz. Dessen spezielles Forschungsgebiet sind, wie Kommissarin Margerethe Maybach herausfindet, die Frauen. Was die Suche nach dem Mörder geschweige denn nach einem Motiv nicht leicht gestaltet: Karrierebesessene Kolleginnen, Geliebte (heimliche, neue und verlassene) und Ex-Frauen - mit ihrem Kollegen Uwe Scholz knöpft sich Maybach alle vor. Nicht schnell genug. Ein zweiter Mord erschüttert Mainz. Eine Frau diesmal, auch sie Historikerin an der Uni...

Solide, aber wenig spektakulär entwickelt Friederike Harig die Krimihandlung. Als fast wissenschaftlich mag man den sachlichen Schreibstil charakterisieren, der dem "Professorenmord" immer wieder die Dramatik nimmt. Ebenso kommt auch die Kommissarin Maybach daher, zu der der Funke beim Lesen nur langsam überspringt: alleinerziehend, Single, Stress mit den männlichen Kollegen und sowieso Chefs - die typische Kommissarin eben. Ein paar Eigenheiten wären sympathischer. Erfrischend sind die Szenen mit Maybachs Kollegen Uwe Scholz, der sich vom Schwerenöter zum Schürzenjäger mausert - zumindest kurze Zeit. Sie sorgen für die überraschenden Momente in diesem Buch, in dem viel Rheinhessen und noch mehr Mainz steckt, womit Friederike Harig dem "Professorenmord" eine klare Kulisse gibt, der für ein weiteres Buch eines zu wünschen wäre: diese mit Leben und rheinhessischer Lebensart zu füllen.